Altenbeken  
     

<Altenbeken!>. Sämtliche Züge hatten hier zehn Minuten Aufenthalt; denn es war einer jener raren Riesenbahnhöfe ohne Ort, wo sich diverse Hauptlinien kreuzen.

Es gibt Orte, die jeder kennt, von denen die meisten jedoch nur den Bahnhof gesehen haben. Altenbeken gehört zu diesen Orten. Auch der Schriftsteller Arno Schmidt stand hier auf dem Bahnsteig und wartete. Eine Erzählung war ihm der Aufenthalt von irgendwoher nach irgendwohin in den fünfziger Jahren wert.

Noch heute kommen täglich Tausende Menschen hier an, müssen umsteigen oder auf den Anschlusszug warten.

Wie kein anderes Gefährt begeistert die Eisenbahn die verschiedensten Menschen und wie kaum ein anderer Ort in Deutschland ist die Gemeinde Altenbeken in Tallage zwischen der Paderborner Hochebene und dem Teutoburger Wald mit der Geschichte und den Geschicken der Eisenbahn verbunden. Als die Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts Fahrt aufnahm, stellte der Bau des Streckennetzes den Beamten des preußischen Königreiches eine große Herausforderung. Bei der Planung einer Strecke von Paderborn nach Warburg erkannten die Logistiker, dass eine Wegführung über Altenbeken die einzig praktikable Lösung war. Doch auch hier galt es, zahlreiche Gebirgszüge und Täler zu überqueren.

So entstand der Bekeviadukt bei Altenbeken. Mit einer Länge von 482 m, einer Höhe von 35 m, einer Krümmung mit einem Halbmesser von 940 m und 24 Bögen gilt der Eisenbahnviadukt nicht nur als größte Kalksandsteinbrücke Europas, sondern den Altenbekenern als ihr stolzes Wahrzeichen.

Am 8. Juli 1851 legte man den Grundstein zum Bau dieser außergewöhnlichen Brücke.

Wie bemerkenswert der Brückenbau schon damals war, zeigt die Tatsache, dass der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. am 21. Juli 1853 persönlich per Sonderzug nach Altenbeken reiste, um die neue Strecke und vor allem dies neueste Wunderwerk seiner Architekten zu eröffnen. Bei Ansicht des Viaduktes soll er einem der Bauleiter zugeraunt haben: „Ich habe geglaubt eine goldene Brücke vorzufinden, weil so schrecklich viele Taler verbraucht worden sind!“ Die Altenbekener schufen die goldene Brücke, wenn auch nur im Wappen.

 

Mit den ursprünglichen wie auch mit den weiteren Bauarbeiten am Viadukt und im Eisenbahnbetrieb am Bahnhof wuchs das Dorf Altenbeken zu einer Gemeinde heran, in der jahrzehntelang die Bahn und die Post Hauptarbeitgeber waren. Mit der Bedeutung der Bahn stieg auch die Einwohnerzahl der Gemeinde. Inzwischen ist auch am Standort Altenbeken rationalisiert worden, doch der Einfluss und die Identifikation mit der Bahn sind nicht zuletzt durch den Viadukt ungebrochen.

 

Der goldene Viadukt schmückt das Stadtwappen der Gemeinde und der steinerne Viadukt bildet den Eingang zum Ort Altenbeken und damit das Tor zum malerischen Eggegebirge. Er ist Wahrzeichen einer jungen Gemeinde, in der die Eisenbahntradition fortlebt.

Doch nicht nur ihre starke Verbundenheit zur Eisenbahn charakterisiert die Menschen hier, immer mehr erkennt man in Altenbeken das hervorragende, naturgegebene Potenzial.

Die Egge, mit den oft steil eingeschnittenen Tälern, Quellmooren und eingestreuten Wiesenflächen bildet einen abwechslungsreichen Mittelgebirgszug, der den Teutoburger Wald und das Sauerland miteinander verbindet. Was lag also näher, als eine touristische Ausrichtung anzustreben, eine Verbindung von Eisenbahnhistorie und Naturerlebnis zu schaffen?

Aus einem feierlichen Anlass (dem 150. Geburtstag des Viaduktes) und einem kleinen Etat organisierte die Gemeinde zusammen mit unzähligen freiwilligen Helfern das größte Eisenbahn- Festival des Jahres - VIVAT VIADUKT. Mit einer Mischung aus Kunst, Musik, Geschichte, Naturerlebnis und Volksfest wurde Altenbeken im Sommer 2003 ins rechte Licht - ins Zentrum Ostwestfalens - gerückt.

 

Die Erinnerung daran wird alle zwei Jahre wieder lebendig, dann heißt es Vivat Viadukt in Altenbeken, sind die Eisenbahn- & Kulturtage Anlaufstelle für Eisenbahnfreunde und Kulturinteressierte aus dem In- und Ausland. Mit Vivat Viadukt hat sich Altenbeken als „Bahnmetropole“ in landschaftlich reizvoller Lage positioniert.

 

Im Jahr 1976 wurde das über die Grenzen hinaus bekannte Egge-Museum Altenbeken eröffnet. Untergebracht ist das Museum in einem Fachwerkhaus, das im Kernwerk aus dem 18.Jahrhundert stammt. Dort ausgestellt sind kunstvolle Öfen, Ofen- und Herdplatten, die vorwiegend aus dem 16. bis 19. Jh. stammen und Zeugnis von der einstigen Eisenindustrie ablegen.

Heute beherbergt das historisches Gebäude die Museumsstuben. Infos unter www.museumsstuben.com.

     
 

Direkt neben dem Egge-Museum ist eine Dampflokomotive der Baureihe 044 im Originalzustand aufgestellt worden. Die Lok wurde 1941 erbaut und hat ein Gewicht mit Tender von 128,5 Tonnen.

Sie ist 4,5 m hoch und 22,6 m lang. Aufgestellt wurde diese Lok im Jahr 1977. Heute ist sie Anlaufpunkt vieler Bahninteressenten und Liebhaber alter Dampfloks. Seit Dezember 2005 kann man die "große alte Dame" bei Dunkelheit als Lichtkunstwerk bestaunen.


Viele Altenbekener sind in den zahlreich vorhandenen Gruppen und Vereinen organisiert. Neben den lebhaften Sportvereinen und dem dynamischen Schützenwesen sind vor allem die hervorragenden musikalischen Zusammenschlüsse hervorzuheben.

Ob Chöre oder Orchester - In prächtige, zum Teil historische Uniformen gewandet birgt Altenbeken ein enormes musikalisches Potenzial, über regionale Grenzen weithin bekannt.